24. Dezember

Frohe Weihnachten!

Herr Meier sitzt auf einer Bank. Diese Bank steht mitten in der Fußgängerzone der kleinen Stadt, in der Herr Meier wohnt.
Eigentlich ist es zu kalt, um hier zu sitzen, aber Herr Meier hat sich eine dicke Wolldecke mit gebracht und außerdem hat er seine beste und dickste Winterjacke an. Es ist ja schließlich Heiligabend!
Bald schließen auch die letzten Geschäfte und alle werden zuhause sitzen und Weihnachten feiern. Herr Meier liebt diese Stunden, in der alle so geschäftig und hektisch sind, weil sie noch die letzten Geschenke oder Lebensmittel kaufen wollen. Das ist für ihn ein angenehmer Kontrast zu dem meist sehr ereignislosen Leben, dass Herr Meier inzwischen führt.
Seine Frau ist schon lange tot und seine Kinder führen ihr eigenes Leben. Seit vielen Jahren sitzt er schon dort in der Fußgängerzone – jedes Jahr am Heiligenabend – und wartet darauf, dass ihn doch noch jemand bemerkt.
Das ist bisher noch jedes Jahr passiert – und immer war es ein Kind! Und so ist es auch in diesem Jahr…
„Hallo du!“, sagt ein kleines Mädchen in einem roten Mantel und mit einer warmen Mütze. „Hallo du!“, erwidert Herr Meier den Gruß freundlich. „Was machst du daaa?“, will die Kleine wissen.
Herr Meier antwortet: „Ich warte auf das Weihnachtswunder!“
„Uuund? Ist es schon gekommen, dein Weihnachtswunder?“, fragt das Mädchen voller Neugier.
„Nein…. darum habe ich irgendwann beschlossen, selbst eins zu sein!“
Die Kleine schaut ihn verwundert an: „Wie soll DAS denn geh’n?“
Statt einer Antwort holt Herr Meier aus einer großen Tasche, die neben ihm auf der Bank steht, ein Geschenk heraus: „Hier! Für dich! Frohe Weihnachten!“

„Hm…“, sagt das Mädchen, „Meine Eltern haben gesagt, dass ich von Fremden nichts annehmen soll.“
„Ich weiß“, anworterte Herr Meier, „Das ist auch richtig so. Deswegen hol’ deine Eltern und frage sie.“

Das kleine Mädchen läuft schnell davon – wer lässt sich schon ein Geschenk entgehen – und kommt kurz darauf mit ihrem Vater zurück.
Der Vater beginnt zu lächeln, als er Herrn Meier erblickt: „Oh! Hallo Herr Meier! – Da hast du aber Glück gehabt Sophie! Das ist Herr Meier, der ist hier jedes Jahr unser Weihnachtswunder. Weißt du Sophie, er hat immer zwei Geschenke dabei: Eins für einen Jungen, eins für ein Mädchen. Du darfst das Geschenk nehmen, aber vergiss nicht, dich zu bedanken!“

Kurz darauf verschenkt Herr Meier auch das zweite Geschenk an einen kleinen Jungen, der mit seinen Eltern vorbeigekommen ist. Herr Meier ist nun zufrieden, packt seine Decke ein und macht sich auf den Nachhauseweg. Die Leute, die ihm unterwegs begegnen, wünschen ihm „Frohe Weihnachten“ und er erwidert fröhlich ihren Gruß.
Sie werden heute Abend mit ihren Familien Weihnachten feiern und vielleicht erzählen sie dann, dass sie Herrn Meier gesehen haben, das Weihnachtswunder ihrer Stadt.

Sophie kommt auch im nächsten Jahr am 24. Dezember zur Weihnachtsbank, doch Herr Meier sitzt nicht mehr dort. Ihr Vater meint, dass er wahrscheinlich sein Geschenke schon verteilt hat. Aber auch in den folgenden Jahren ist Herr Meier nicht mehr in auf „seiner“ Bank anzutreffen…

Irgendwann begreift Sophie, warum Herr Meier nicht mehr kommt. Sie beschließt, dass die Stadt nicht ohne Weihnachtswunder sein darf: Sie sitzt am Heiligabend auf der „Weihnachtsbank“ und hat immer zwei Geschenke dabei: Eins für ein Mädchen, eins für einen Jungen.
So sitzt sie nun jedes Jahr, an jedem Heiigabend in der Fußgängerzone der kleinen Stadt mit zwei Geschenken auf der Bank, neben einem kleinen Messingschild mit der Inschrift:

„Die Weihnachtsbank Zur Erinnerung an Herrn Meier – unser Weihnachtswunder.“

(nach einer Geschichte aus dem Buch „Weihliche Fröhnachten!“)

Wo befindet sich diese Tür?